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Geschichte

 

Allgemeine Geschichte

Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. kolonisierten ionische Griechen den westlichen (Kolchis) und den östlichen (Iberien) Teil der Region. Etwa im 4. Jahrhundert n. Chr. wurde Georgien christianisiert. Bis zum 7. Jahrhundert rangen das Persische Reich und Byzanz um die Herrschaft über Georgien. Dann eroberten die Araber und im 11. Jahrhundert die türkischen Seldschuken diese Region. Im frühen 12. Jahrhundert konnten die Türken wieder vertrieben und Georgien zu einem Königreich vereint werden. Im 14. Jahrhundert wurde dieses Königreich durch die Mongolen zerstört; später kam der Osten an Persien und der Westen an das Osmanische Reich. Mitte des 18. Jahrhunderts entstand ein neues georgisches Königreich, das jedoch 1783 unter russisches Protektorat kam und 1801 von Russland annektiert wurde.

Nach der Russischen Revolution erklärte sich Georgien im Mai 1918 für unabhängig. 1921 besetzten Truppen der Roten Armee das Land, und Georgien wurde als autonome Sowjetrepublik der Transkaukasischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (SFSR) eingegliedert. Als sich die Transkaukasische SFSR 1936 auflöste, wurde Georgien als Georgische (Grusinische) Sozialistische Sowjetrepublik Teil der Sowjetunion. Georgien erklärte im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion im April 1991 seine Unabhängigkeit.

Georgien war bis zum letzten Jahr des Bestehens der UdSSR ernsten inneren Streitigkeiten ausgesetzt. Mit der Politik der Glasnost (Offenheit), des sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow (1985-1991) begannen in den späten achtziger Jahren die Abchasier und die ossetischen Nationalisten, in Georgien Propaganda für mehr Autonomie zu betreiben. Spannungen zwischen der georgischen Regierung und den Bewohnern dieser Enklaven nahmen zu, nachdem 1989 der georgische Oberste Sowjet ein Gesetz verabschiedet hatte, das die georgische Sprache über alle anderen Sprachen der Republik stellte. Nachdem Südossetien 1990 sich selbst zu einer souveränen Republik erklärt hatte, beendete der georgische Oberste Sowjet die Selbstverwaltung der Republik. Es folgten Kämpfe zwischen Georgiern und Osseten, die anhielten, bis eine aus Russen, Georgiern, Süd- und Nordosseten bestehende Friedenstruppe entsandt wurde.

Ein zweiter Konflikt entstand im Mai 1991 kurz nach den Wahlen des ersten Präsidenten des Landes, Swiad Gamsachurdia. Er wurde im Januar 1992 nach Vorwürfen der Korruption, der Menschenrechtsverletzung und des Machtmissbrauchs gestürzt. Gamsachurdia und seine Gefolgsleute unternahmen mehrere Versuche, die Stadt Tiflis zurückzuerobern, und im Oktober 1993 bedrohten sie Kutaissi. Die Revolte wurde zeitweilig unterbrochen, nachdem Gamsachurdia zum Jahreswechsel 1993/94 offenbar Selbstmord beging.

Ein dritter Konflikt begann zwischen georgischen und abchasischen Truppen, nachdem der abchasische Oberste Sowjet im Juli 1992 die Unabhängigkeit Abchasiens erklärt hatte. Georgien entsandte Truppen nach Abchasien, angeblich um Versorgungswege zu schützen und Militäreinheiten zu verfolgen, die Gamsachurdia die Treue hielten. Kurz darauf brachen schwere Gefechte mit der abchasischen Seite aus. Diese erhielt Unterstützung von ethnisch verwandten Völkern des Kaukasus auf russischem Staatsgebiet. Die georgischen Streitkräfte verloren erheblich an Boden, bis im Juli 1993 eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand getroffen wurde. Die Abchasen brachen diese Vereinbarung und vertrieben im Oktober 1993 die georgische Miliz sowie etwa 200 000 georgische Flüchtlinge. Im selben Monat schloss sich die georgische Regierung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten an, um Russland für die militärische Unterstützung zu gewinnen. Im Februar 1994 wurde eine Vereinbarung erzielt, die es Russland gestattete, drei Militärstützpunkte auf georgischem Gebiet zu unterhalten. 1994 wurde Georgien Mitglied in einem Friedensprogramm, das eine begrenzte militärische Zusammenarbeit mit dem Nordatlantikpakt (NATO) vorsah.

Bei den Präsidentschaftswahlen vom November 1995 setzte sich Eduard Schewardnadse durch. Seine Partei, die 1993 gegründete Bürgerunion, wurde bei den gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahlen stärkste Kraft. Eine Revolte von rund 200 Soldaten, die den Rücktritt Schewardnadses forderten, wurde im Oktober 1998 beendet.

Besetzung Suchumis Die Unabhängigkeitserklärung der georgischen Provinz Abchasien vom 26. Juli 1992 wurde von Präsident Schewardnadse nicht anerkannt. Nach Ablauf des Ultimatums, das den abchasischen Parlamentspräsidenten Ardsinba zum Rücktritt aufforderte, besetzten am 17. August georgische Panzer die abchasische Hauptstadt Suchumi.

Im April 1996 unterzeichneten die Europäische Union und Georgien ein Kooperationsabkommen. Im Januar 1999 beschloss die Parlamentarische Versammlung des Europarats einstimmig, Georgien in den bisher 40 Mitgliedsstaaten umfassenden Europarat aufzunehmen. Aus den Parlamentswahlen vom Oktober 1999 ging die von Präsident Schewardnadse geführte Bürgerunion mit der absoluten Mehrheit der Mandate erneut als klarer Sieger hervor; die OSZE monierte jedoch zahlreiche Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen.

Im Januar 2000 einigten sich Georgien und die Türkei auf den Bau einer rund 1 700 Kilometer langen Erdölleitung vom Kaspischen Meer zum Mittelmeer. Bei den Präsidentschaftswahlen vom April 2000 wurde Eduard Schewardnadse im Amt des Staatsoberhaupts bestätigt. Im Juni 2000 wurde Georgien als 137. Mitglied in die Welthandelsorganisation (WTO) aufgenommen. Die Beziehungen zu Russland verschlechterten sich zeitweilig u. a. wegen des nicht planmäßig verlaufenden Abzugs russischer Truppen von Militärbasen in Georgien und wegen der von den Vereinigten Staaten zugesicherten Militärhilfe für Georgien im Kampf gegen den internationalen Terrorismus.

Im September 2002 begann der Bau der seit Jahren geplanten Baku-Tbilissi-Ceyhan-Pipeline (BTC), die ab 2005 pro Tag rund eine Million Barrel kaspischen Rohöls von Baku über die georgische Haupstadt Tiflis in den türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan transportieren soll.

Nach den Parlamentswahlen vom 2. November 2003 reklamierte Schewardnadse für sein Parteienbündnis „Für ein neues Georgien” den Wahlsieg, und gut zwei Wochen nach den Wahlen sprach die georgische Wahlkommission dem Regierungsbündnis mit 21,3 Prozent der Stimmen offiziell den Sieg zu. Allerdings warfen sowohl internationale Wahlbeobachter als auch die von Michail Saakaschwili angeführte georgische Opposition der Partei des Präsidenten massive Wahlfälschung sowie organisatorische Fehler vor; die Opposition erkannte das Wahlergebnis nicht an und initiierte schon nach Bekanntwerden der ersten Wahlergebnisse kurz nach den Wahlen Protestdemonstrationen, die in den darauf folgenden Tagen und Wochen fortgesetzt und noch intensiviert wurden. Verhandlungen zwischen der Opposition und dem Präsidenten endeten ergebnislos; die Opposition forderte die Wiederholung der Wahlen und zunehmend auch den Rücktritt des Präsidenten. Bei der Konstituierung des neuen Parlaments am 22. November 2003 stürmten Anhänger der Opposition das Parlamentsgebäude, vertrieben die Abgeordneten des Regierungsbündnisses und den Präsidenten selbst und ernannten die bisherige Parlamentspräsidentin Nino Burdschanadse zur Übergangspräsidentin. Schewardnadse charakterisierte dies als Putsch und verhängte den Ausnahmezustand. Als in der Folge jedoch auch ein großer Teil der Sicherheitskräfte zur Opposition übergegangen war, trat Schewardnadse am 23. November als Staatspräsident zurück; die später so genannte „Rosenrevolution” war zu einem erfolgreichen Ende gekommen. Bis zu vorgezogenen Neuwahlen des Präsidenten übernahm Burdschanadse – nun offiziell legitimiert – das Amt der Übergangspräsidentin. Wenig später annullierte das Oberste Gericht Georgiens einen Großteil der Resultate der Parlamentswahlen und machte damit den Weg frei für eine Neuwahl auch des Parlaments.

Aus den vorgezogenen Präsidentschaftswahlen am 4. Januar 2004 ging der bisherige Oppositionsführer Saakaschwili mit etwa 90 Prozent der Stimmen als unangefochtener Wahlsieger hervor. Internationale Wahlbeobachter hatten die Wahlen als vergleichsweise fair und ordnungsgemäß gelobt. Saakaschwili kündigte einen rigiden Kampf gegen die grassierende Korruption an. Sein im Gegensatz zu seinem Vorgänger westlich ausgerichteter Kurs, seine Nähe zu Europa und den USA ließen allerdings die Befürchtung aufkommen, dass sich das Verhältnis Georgiens zu Russland verschlechtern könnte.

Am 28. März 2004 wurden die Parlamentswahlen vom November 2003 entsprechend dem Entscheid des Obersten Gerichts teilweise wiederholt. Klarer Sieger wurde das von Saakaschwili angeführte Bündnis aus seiner eigenen Partei, der Nationalen Bewegung, und der Demokratischen Partei von Nino Burdschanadse, das nun über die absolute Mehrheit der Mandate verfügte.

 

Politische Geschichte

Eduard Schewardnadse Eduard Schewardnadse war von 1985 bis 1990 Außenminister der Sowjetunion und trug in dieser Funktion entscheidend zum Zustandekommen des Zwei-plus-Vier-Vertrags und somit zur Wiedervereinigung Deutschlands bei. Ab 1992 amtierte er dann als Staatspräsident seines Heimatlandes Georgien, bis ihn 2003 die Opposition zum Rücktritt zwang.

 

Literatur
Weiterführende Literatur zum Thema Georgien.

Eines der wesentlichen innenpolitischen Ziele Saakaschwilis war es, die staatliche Einheit Georgiens wiederherzustellen, also die abtrünnigen Provinzen Abchasien, Adscharien und Südossetien, die sich seit den frühen neunziger Jahren weitgehend verselbständigt hatten, wieder unter die Kontrolle der Zentralgewalt zu bringen. Den Anfang machte er mit der dank ihres Schwarzmeerhafens Batumi vergleichsweise wohlhabenden Provinz Adscharien. Über Batumi laufen in großem Umfang Ölexporte aus Zentralasien und Importe für weite Teile der Kaukasusregion; die Zölle und anderen Erlöse aus dem Im- und Export gelangten jedoch nicht in den georgischen Staatshaushalt, sondern der zwar gewählte, unterdessen aber recht selbstherrlich und diktatorisch regierende adscharische Präsident Aslan Abaschidse behielt sie unter seiner Verfügung. Ab März 2004 spitzte sich der Machtkampf zwischen Saakaschwili und Abaschidse bedrohlich zu, bis schließlich Saakaschwili im Mai Abaschidse für abgesetzt erklärte; wenig später trat Abaschidse von sich aus zurück. Beschleunigt haben mag Abaschidses Schritt eine Wiederholung der „Rosenrevolution”: Tausende Demonstranten gingen in Batumi wochenlang immer wieder gegen Abaschidse auf die Straße, und am Ende schlossen sich auch die Sicherheitskräfte den Demonstranten an, so dass Abaschidse kaum mehr über eine Machtbasis verfügte. In der Folge unterstellte Saakaschwili Adscharien bis zur Abhaltung freier Wahlen der Direktregierung durch die georgische Regierung.

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