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taz-Reise in die Zivilgesellschaft: Georgien
3. – 11. Sept 2010
Georgien
PROGRAMM DER REISE
1. Tag (Freitag)
Die Reise beginnt in Frankfurt/M (bzw. Berlin, München oder Hamburg) mit Austrian Airlines; die Reisegruppe trifft sich gegen 22 Uhr am Check-In der Austrian auf dem Flughafen Wien (22.30 Uhr Abflug Tbilissi/Tiflis) Nach Wien fliegen die einzelnen Teilnehmer individuell von verschiedenen Städten Deutschlands aus (z.B. Frankfurt: ab 20.10 Uhr)
2. Tag (Samstag)
Früh morgens Ankunft in Tbilissi (Tiflis) und Einchecken im Hotel. Nachdem wir uns ein wenig ausgeruht haben, erkunden wir gegen Mittag die Altstadt der georgischen Hauptstadt, die zum Weltkulturerbe der UNESCO erklärt werden soll. Unser Rundgang führt uns zum Rustaweli-Boulevard. Entlang dieser plantanengesäumten Flaniermeile befinden sich Theater, Paläste und Wohnhäuser im Stil des Klassizismus, Jugendstils und Barocks sowie das Parlamentsgebäude. Weiter geht es in das Viertel um den ehemaligen Marktplatz, heute der Gorgassali-Platz, wo sich zahlreiche Kirchen sowie die Synagoge befinden. Danach steigen wir auf die noch erhaltene Zitadelle der Narikala-Festung aus dem 4. Jh. und genießen den Ausblick. Zum Abschluss besuchen wir das Bäderviertel Abanotubani. Die ursprünglich 65 Schwefelbäder, von denen heute noch sieben in Betrieb sind, werden seit rund 700 Jahren genutzt. Einer Legende nach verdankt Tbilissi, was "warme Quelle" bedeutet, diesem Ort auch seinen Namen.
Zwischendurch treffen wir den seit September 2009 amtierenden Ombudsmann für Menschenrechte im georgischen Parlament, Giorgi Tugushi. Ausklingen lassen wir den ersten Tag in einem Restaurant Radscha mit Köstlichkeiten der landestypischen Küche, wie dem Käsebrot Chatschapuri, und einem Glas guten georgischen Weins aus dem östlichen Landesteil Kachetien. Das Restaurant gehört zu einem Freilichtmuseum, das auf einem Hügel liegt und einen schönen Ausblick über die Neustadt von Tiflis bietet. Zu Gast wird der Künstler und Vorsitzende der Georgisch-deutschen Gesellschaft, Gocha Gulelauri sein, der uns über aktuelle Entwicklungen in der georgischen Kulturszene und die Arbeit seiner Organisation berichtet.
3. Tag (Sonntag)
Am Vormittag treffen wir uns mit einem Vertreter der Crisis-Group, der uns einen aktuellen Bericht über die Lage den in beiden Landesteilen Südossetien und Abchasien geben wird. Beide Regionen haben sich nach dem Krieg zwischen Georgien und Russland im August 2008 für unabhängig erklärt.
Am Nachmittag haben wir die Möglichkeit zu einem Gespräch mit der Oppositionspolitikerin und Abgeordneten Nino Berdzanatze. Danach besteht Gelegenheit, Tiflis auf eigene Faust weiter zu erkunden.
Am Abend können wir gemeinsam das lebendige Kneipenviertel in der Achwlediani-Strasse besuchen.
4. Tag (Montag)
Nach dem Frühstück beginnen wir unsere dreitägige Fahrt in den Westen das Landes zum Schwarzen Meer. Begleiten wird uns Tamuna Gurchiani von der Soros-Stiftung. Während der Fahrt wird sie uns über die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen in Georgien erzählen.
Erste Station ist Gori, die jüngste Stadt Georgiens. Sie liegt rund 40 Kilometer von Tbilissi entfernt. Hier wurde am 21. Dezember 1879 Josif Wissarionnowitsch Dshugaschwili alias Stalin geboren. Wir können uns auf die Spuren des Sowjetherrschers begeben und das Stalin-Museum sowie sein Geburtshaus besichtigen. Nicht versäumen sollten wir einen Besuch der Festungsruine Gorisziche, die auf einem Hügel über Gori gelegen ist und einen wunderbaren Blick über die Stadt bietet.
Am Nachmittag treffen wir uns mit einem Journalisten und informieren uns über die Situation in Gori nach dem Krieg vom August 2008, als die Stadt von russischen Truppen besetzt war. Fast alle Bewohner waren geflüchtet. Danach machen wir noch einen kurzen Abstecher zur Höhlenfestung Uplisziche. Die in einen Fels gehauene Stadt stammt aus dem 16. bis 15. Jh. v. Christi und war eine Handelsstation an der Seidenstraße.
Am Abend reisen wir weiter Richtung Westen nach Kutaisi, im Landesteil Imeretien.
5. Tag (Dienstag)
Bei einem Stadtrundgang durch Kutaisi können wir am Vormittag das Museum für Ethnografie und Geschichte sowie die Bagrati-Kathedrale, ein UNESCO-Weltkulturerbe, besuchen.
Mittags machen wir uns auf den Weg an die Schwarzmeerküste nach Batumi, die regionale Hauptstadt der autonomen Republik Adscharien. Batumi ist heute der Haupthafen Georgiens sowie wichtigster Umschlagplatz für Erdöl aus Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan. Vor allem Tee und Zitrusfrüchte werden von hier aus exportiert. Nach unserer Ankunft in Batumi schlendern wir durch die Stadt bis zur berühmten 800 Meter langen, palmengeäumten Uferstrasse Primorski Boulevard, die gerade mit internationalen Geldern auf 5000 Meter ausgebaut wird. Ihr südländischer Flair betört alle Spaziergänger.
Beim Abendessen besteht die Möglichkeit zum Gespräch über die aktuelle politische Situation in Adscharien mit Vertretern der Opposition. Übrigens: Schon der russische Schriftsteller Konstantin Paustowski (1892 - 1968) wusste, dass man hier die besten Schaschliks im ganzen Kaukasus finden kann.
6. Tag (Mittwoch)
Am Vormittag machen wir einen Ausflug an das Grüne Kap, in den Botanischen Garten. Auf dem 114 Hektar großen Areal, das sich über mehrere Hügelketten erstreckt, werden 5000 Arten von Pflanzen gezeigt, darunter etwa 3300 Baumarten. Begleitet werden wir von einem Vertreter der Naturschutzorganisation "Flora und Fauna", der uns über neueste Entwicklungen auf dem Gebiet des Naturschutzes berichten wird. Danach Rückfahrt nach Tbilissi.
7. Tag (Donnerstag)
Nach dem Frühstück treffen wir uns mit Naira Gelaschwili. Die Germanistin und Übersetzerin leitet das Kaukasische Haus in Tbilissi - eine Einrichtung, die sich besonders für die Aussöhnung zwischen den Völkern des Kaukasus einsetzt. Sie begleitet uns auf einem Ausflug in das Pankissi-Tal (falls die Sicherheitslage es erlaubt). Das Tal liegt im Nordosten des Landes an der Grenze zu Tschetschenien. Derzeit leben hier mehrere tausend tschetschenische Flüchtlinge, die ab 1994, dem Beginn des 1. Tschetschenienkrieges, ihre Heimat verlassen haben. Russland behauptet, das Pankissi-Tal sei eine Rückzugsbasis für tschetschenische Rebellen und beschuldigte Georgien, diesen Zustand zu dulden.
Am späten Nachmittag fahren wir weiter nach Signagi, die ehemalige Residenz des letzten Königs von Georgien. Vor allem Architekturinteressierte dürften hier auf ihre Kosten kommen. Rund 75 Prozent der Häuser der Stadt, die auf einem Hügel liegt, stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, viele davon stehen unter Denkmalschutz. 2007 wurden die meisten Gebäude umfassend restauriert und die Infrastruktur modernisiert.
8. Tag: (Freitag)
Am Vormittag fahren wir in das Dorf Nukriani, das auf rund 1000 Meter hoch liegt: der höchste Punkt in Ostgeorgien. Von dort bietet sich ein interessanter Ausblick auf das Alasanital, das bis zum kleinen Kaukasus reicht.
In der mit ausländischen Stiftungsgeldern restaurierten Schule des Dorfes, in dem derzeit 700 Familien leben, führt das Kaukasische Haus (Tbilissi) mehrere Projekte für Flüchtlingskinder durch. Frau Gelaschwili wird uns einen Einblick in diese Aktivitäten geben - dazu gehören unter anderem drei Kunstwerkstätten für Schmuck und Pelze - und wir haben die Möglichkeit zu Gesprächen mit beteiligten Schülern. Bestimmt bleibt auch noch etwas Zeit, um ein wenig Dorfluft zu schnuppern und die Gastfreundschaft der Georgier kennen zu lernen. Wie lautet doch eines ihrer Sprichwörter: "Ein Gast wurde von Gott geschickt!"
Am Nachmittag Rückfahrt nach Tbilissi. Beim Abendessen gibt es Gelegenheit, über die Eindrücke und Erfahrungen der Reise zu sprechen. Danach stehen Hotelzimmer zum Ausruhen zur Verfügung – bis uns eine Kleinbus gegen 1.30 Uhr nachts zum Flughafen bringt.
9.Tag: (Samstag)
Abflug in Tbilissi ist um 4.40 Uhr, Ankunft in Frankfurt oder anderen Städten gegen 9 Uhr.